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Heimat

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Geisenhausen ist ein ehrlicher Ort. Der macht einem nichts vor, was er nicht halten kann – schon bei der Ortseinfahrt: Discounter, Schafweide, dann historischer Marktkern. Tagsüber viele Autos, man kennt sich beim Einkaufen und abends nicht viel los bis auf Wirtshaus, Kirche und Vereinstreffen.

Heimat im niederbayerischen Vilstal. Bisher für 6400 Menschen – seit April 2013 auch für Asylbewerber. 164 ist die Zahl, die Aufregung in den Ort bringt. Das ist die sogenannte Belegungsgrenze, die eine Bürgerinitiative entstehen lässt und eine Unterschriftenaktion. Man ist nicht gegen das Heim, nur gegen so viele Menschen, die im ehemaligen Altenheim eng aufeinander wohnen sollen. So der Tenor der Diskussion, in die sich bald ein Missklang einschleicht.

Als die ersten Gerüchte um das Heim immer mehr Thema beim Bäcker, Metzger und am Stammtisch werden, zieht der Neonazi Martin Wiese nach Geisenhausen. Zuvor hat er sieben Jahre im Gefängnis verbracht, verurteilt als Rädelsführer eines geplanten Sprengstoffanschlags auf das Jüdische Kulturzentrum in München. Jetzt gibt er sich als Familienmensch, wolle hier mit Freundin und neugeborenem Sohn zusammenleben. Daneben nutzt er seine Zeit, um die rechte Szene in Bayern zu einen, gründet die „Kameradschaft Geisenhausen“ und baut das überregionale Netzwerk „Freies Netz Süd“ auf.

Die spürbare Anwesenheit der Neonazis in Geisenhausen verändert die Diskussion. Ist man nur dagegen, weil es zu viele Asylbewerber für den Ort sind – oder sind es ganz andere Gründe? Trotz aller Befürchtungen passiert: nichts. Martin Wiese verlässt nach einem guten Jahr Geisenhausen, die ersten Asylbewerber kommen und mit ihnen viele Fragen, die in einer solchen Situation immer gelöst werden müssen. Deutschkurse, Kinderbetreuung, Einschulung, Kleiderkammer. Einige Marktbewohner gründen den Verein „Buntes Miteinander Geisenhausen“, der die gute Seele dieses Heims wird. Und lösen die Probleme, für die der Staat Lösungen haben sollte – eines nach dem anderen. Sie tragen Sorge, dass nach Aleppo in Syrien und nach Freetown in Sierra Leone Geisenhausen eine neue Heimat werden kann.

Und manchmal tragen sie schwer daran. Wenn ein Junge aus dem Asylbewerberheim einem Mitschüler ins Gesicht tritt, einfach so. Und die Eltern der Kinder danach schwer dafür zu begeistern sind, ein solches Kind zum Mittagessen einzuladen oder mit ihm die Hausaufgaben zu machen. Oder wenn es mal wieder einen Polizeieinsatz im Heim gibt. Dann steht der hart erkämpfte Friede auf wackeligen Beinen. Und das wird so bleiben. Denn die Betten im Asylbewerberheim werden auch in den kommenden Jahren nicht leer werden. Es kommen immer neue Flüchtlinge in Geisenhausen an. Und natürlich ist das nur ein winziger Teil der Menschen, die auf der Welt ihr Zuhause verloren haben:

Flüchtlinge weltweit 2013

Zu "Auf der Flucht": Hier wurde UNHCRs "population of concern" verwendet. Diese setzt sich aus folgenden Gruppen zusammen: refugees, asylum-seekers, internally displaced persons (IDPs) protected/assisted by UNHCR, stateless persons and returnees (returned refugees and IDPs).
Zu "Angekommen": Hier handelt es sich um die Anzahl an positive Entscheidungen auf Asylbewerbungen in 2013. Dies beinhaltet Asylberechtigungen und die Gewährung subsidiären Schutzes.

Quelle: UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees)

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