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Kindheit

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Marie war einmal „Mary“. Den Namen hat sie zurückgelassen, genauso wie die Erinnerungen an jenen Ort, von dem er stammt: Sierra Leone. Dort wurde Marie geboren – ungefähr zu der Zeit, als das Land nach über einem Jahrzehnt brutalen Bürgerkriegs am Boden lag. Zehntausende waren im Kampf gegen die Rebellen gestorben. Wer ihre Gräueltaten überlebte, war traumatisiert von Krieg und Elend. Ein Land ohne Perspektive für eine junge Familie – Theony, Maries Mutter, entschied sich zur Flucht, die über fünf Jahre später im niederbayerischen Geisenhausen endet.

Im Frühjahr 2013 wird Marie eingeschult: Sie besucht die dritte Klasse der Grundschule Geisenhausen. An ihrem ersten Schultag traut sie sich nicht, das Klassenzimmer zu betreten. Als im Pausenhof ein Kind auf eine leere Safttüte springt und diese mit lautem Knall zerplatz, wirft sich Marie hinter eine Bank. Nach und nach legen sich die Ängste. Marie erfährt viel Freiheit – sie lernt Fahrrad fahren, für ihren Sportverein gewinnt sie Leichtathletik-Preise und nachmittags zieht sie mit ihren Freunden um die Häuser.

So viele Klassenzimmer würden allein die asylsuchenden Jugendlichen in Deutschland jedes Jahr füllen:

Quellen: OECD und Eurostat

Andererseits sind da die einsamen Wochenenden und Ferien, wenn die anderen Kinder mit ihren Familien auf Ausflügen oder im Urlaub sind. Marie sitzt dann mit ihrer Mutter und ihrem wenige Monate alten Bruder im gemeinsamen Heimzimmer und wartet. Darauf, dass die Schule wieder anfängt. Theony lässt ihre Tochter nur ungern allein weggehen oder unbeaufsichtigt im Heim: Die vielen gelangweilten, manchmal betrunkenen und immer unterbeschäftigten halbstarken Jungs und Männer machen den beiden Frauen Angst.

Und dennoch hat Marie großes Glück: Sie überstand die Flucht nach Deutschland in der Obhut ihrer Mutter. 2 485 Flüchtlingskinder kamen 2013 allein in Deutschland an.

Asylbewerber unter 18 Jahren in der EU und Deutschland

Hinweis: Legende und absolute Zahlen im mouseover.

Quelle: Eurostat

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